Moordorf ist eine Ortschaft in Ostfriesland. Sie ist seit der Gemeindegebietsreform von 1972 der größte Ortsteil der Gemeinde Südbrookmerland im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Der Ort hat 6416 Einwohner (Stand: 1. Juli 2007) und liegt auf einer Höhe von etwa 3 m ü. NN. Ursprünglich war Moordorf ein Straßendorf, entwickelte sich jedoch durch die Ausweisung neuer Baugebiete zu einer Streusiedlung.
Geschichte
Die Goldscheibe von Moordorf aus der Bronzezeit

Die Anwesenheit von Menschen auf dem Gebiet des Ortes lässt sich erstmals für die Nordische Bronzezeit belegen. Eine dauerhafte Besiedlung der Moorflächen setzte jedoch nicht ein. Die Goldscheibe von Moordorf, auch Sonnenscheibe genannt, ist eine Skulptur, die in die zweite Periode der Bronzezeit (etwa 1500 bis 1300 v. Chr.) datiert wird. Sie wurde 1910 beim Torfgraben entdeckt. Der namensgebende Fundort ist eine Moorlandschaft bei Aurich in Ostfriesland. Heute gehört die Skulptur zum Bestand des Niedersächsischen Landesmuseums in Hannover.
Moorkolonisation
1767 begann in der Südbrookmer Vogtei die Besiedlung von Moordorf. König Friedrich II. hatte 1765 das Urbarmachungsedikt erlassen: Danach fielen die wüsten unbebauten Heidefelder und Moore an die Krone, wurden von dieser aufgeteilt und zwecks Kultivierung an Siedlungswillige vergeben. Der preußische König machte hier den Versuch, ausgediente Soldaten seines Heeres sesshaft zu machen. Von diesen blieben jedoch nur zwei auf Dauer in Moordorf. Die Mehrheit der Siedler (70 Prozent) stammte aus Ostfriesland, die anderen aus den Provinzen Oldenburg und Hannover sowie dem übrigen Deutschland. Dennoch wurde die innere Kolonisation des moorreichen Ostfrieslands im 18./19. Jahrhundert zu einem lohnenden Projekt für Preußen. Mittellosen Siedlern wurden viel zu kleine Parzellen überlassen, so dass der unergiebige Boden schnell erschöpft war.
Die Erbpacht konnte oftmals nicht mehr bezahlt werden und viele Kolonisten versanken in Armut. Als Hauptursachen des Elends seien werden die weitgehend planlose Besiedlung ohne staatliche Kontrolle, die viel zu kleinen Kolonate, der Mangel an Infrastrukturmaßnahmen wie die Anlage von Kanälen im Moor (siehe auch Fehnsiedlungen), die fehlende Siedlerauswahl und der unaufhörliche Zustrom mittelloser Siedler genannt. Trotzdem beliefen sich die jährlichen Einnahmen der Preußen auf stattliche 200.000 Taler.
Moordorf als Moorkolonie gehörte zu den kinderreichsten und gleichzeitig ärmsten Dörfern Deutschlands. In den Betten der Lehmkaten übernachteten nicht selten drei bis vier Kinder in einem Bett. Bis weit in den Herbst liefen die Kinder barfuß. Dabei ist zu beachten, dass es im Moor wesentlich früher als in anderen Landstrichen friert. Für die Schule hatten die Kinder keine Zeit, da sie früh gezwungen wurden mitzuarbeiten oder zu betteln. Die Jungen und Mädchen landeten vielfach wieder als Knechte oder Mägde beim Bauern.
Die große Armut und die dadurch auftretenden Begleiterscheinungen wie Betteln und der Verkauf von selbstgeflochtenen Weidekörben führten zu vielen Gerüchten, welche historisch nicht belegbar sind. So haben sich in Moordorf keine Zigeuner niedergelassen, was, selbst wenn es so wäre, keinen Belang hätte. Ebenso wenig stammen die Moordorfer von „Sträflingen“ ab, wie es immer wieder hieß und gelegentlich noch heißt. Womöglich hängt das „Sträflingsgerücht“ mit einigen ausgedienten „landfremden“ Soldaten zusammen, die in Moordorf siedelten. Allerdings: Nur zwei von ihnen blieben auf Dauer in Moordorf.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, die Moorflächen im Ort zu entwässern. 1870 bis 1877 wurde dafür der 19,1 Kilometer lange Abelitz-Moordorf-Kanal angelegt, der von 1886 bis 1894 noch einmal vertieft wurde. 1885 wurde zudem noch der Ringkanal ausgehoben, der in Münkeboe beginnt und im Süden in den Ems-Jade-Kanal einmündet.
1883 wurde Moordorf über die Bahnstrecke Abelitz–Aurich an das Schienennetz angeschlossen. Diese entstand als Zweigstrecke der Küstenbahn (der heutigen Emslandbahn), um die damalige Provinzhauptstadt Aurich nicht ohne Bahnanschluss zu lassen.
In der Weimarer Republik gehörte Moordorf zu den Hochburgen der Kommunisten, die über die Hälfte der Stimmen bei den Reichs- und Landtagswahlen erhielten.
Nationalsozialismus
Nach 1933 wurden die Kommunisten von den Nationalsozialisten stark verfolgt. Sie wurden als arbeitsscheues, asoziales, minderwertiges und vorbestraftes Gesindel angesehen und hatten entsprechende Repressalien zu ertragen. Dabei stützte sich die nationalsozialistische Propaganda auf bestehende Gerüchte und sorgte für ihre Verbreitung.
Schon in der Weimarer Republik galt Moordorf als „kommunistische Hochburg Ostfrieslands“[1]. So entfielen hier 1928 bei den Wahlen zum Preußischen Landtag 59 Prozent der Stimmen auf die KPD. Abgesehen von Emden war in Moordorf das aktivste und kämpferischste Potential der radikalen Linken in Ostfriesland konzentriert. Der KPD-Ortsverband von Moordorf war der zweitgrößte in Ostfriesland nach Emden. Bei den Reichstagswahlen am 6. November 1932 hatte die KPD 48 Prozent der Stimmen im Ort erhalten. „Die Mehrzahl der Moordorfer Einwohner war vor der Machtübernahme der NSDAP marxistisch und kommunistisch eingestellt und ist es zum Teil noch (enorm hoher Anteil SPD-Wähler)“.[2]
Im Jahre 1934 waren 24 Kommunisten verhaftet und 1937 noch einmal zehn ins Konzentrationslager eingeliefert worden. Moordorf wurde „auf Anregung des Reichsbauernführers“ „von Fachkräften bearbeitet“. Horst Rechenbach wird mit dieser Aufgabe befasst und stellte schnell fest „Ein Teil der Kolonisten machte gar nicht erst den Versuch, eine feste landwirtschaftliche Existenz zu gründen.“ Es „ist festzustellen, dass es sich hier um das Beispiel einer völlig verfehlt angelegten ländlichen Siedlung handelt. […] Es waren […] asoziale Elemente des eigenen Volkes.“[2]
Rechenbach erstellte einige Statistiken über Alkoholismus, Kriminalität, Schwachsinn und Verschuldung und erklärte: „Es ist überflüssig zu betonen, dass die besonders minderwertigen Familien sich durch die größten Kinderzahlen auszeichnen.“[2] Unter Anwendung des gleich nach der Machtübernahme Hitlers eingeführten eugenischen Sterilisationsgesetzes wurden viele Moordorfer unter Berücksichtigung der Statistiken und Fragebögen Rechenbachs zwangssterilisiert.
Während des Krieges wurde an der Ekelser Straße etwa dort, wo sich heute der Marktplatz befindet, ein Kriegsgefangenenlager errichtet (AK 272 des Stalag X C).[3] Hier wurden später ausgebombte Bürger der Stadt Emden aufgenommen.
Nachkriegsentwicklung
Nach 1945 diente das Barackenlager noch lange Zeit als Notunterkunft. Zudem wurden hier 121 Flüchtlinge notdürftig untergebracht. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung des Dorfes lag bei rund vier Prozent, weit unter dem Durchschnitt in Ostfriesland. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die damalige Gemeinde Moordorf auch nach dem Krieg zu den ärmsten in Niedersachsen gehörte. Einen entscheidenden Entwicklungsschub erfuhr der Ort mit der Errichtung des Volkswagenwerkes in Emden 1964, in dem in den 70er Jahren mehr als ein Viertel der Bevölkerung Beschäftigung fand. Durch den Wandel zu einer Arbeitersiedlung besserte sich auch der Lebensstandard in Moordorf. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass sich der Ort zum stärksten Wirtschaftszentrum der 1972 gebildeten Gemeinde Südbrookmerland entwickeln konnte. Wirtschaftlicher Mittelpunkt ist der 1996 errichtete Marktplatz.
Einen Überblick der Lebensumstände im ehemaligen Moordorf bietet heute das Moormuseum Moordorf.
Entwicklung des Ortsnamens
Zu Beginn der Besiedelung wurde der Ort nach einem alten Handels- und Postweg, der von Marienhafe nach Aurich führte als Kolonie am Schwarzen Weg. Bedingt durch die Lage im Moor setzte sich schon ab 1771 der Name Mohrdorff, später Moordorf, durch.
Politik
Seit der Gemeindegebietsreform von 1972 ist Moordorf der bevölkerungsreichste Ortsteil der Gemeinde Südbrookmerland. Ortsvorsteher ist Stefan Kleinert (SPD). Heute ist Moordorf eine Hochburg der SPD, die bei Wahlen teilweise über 70 Prozent der Stimmen erhält.
Wirtschaft
Moordorf ist das größte Wirtschaftszentrum der Gemeinde Südbrookmerland mit Marktplatz, Geschäften und Banken. Produzierendes Gewerbe ist allerdings stärker in einem verkehrsgünstig an der Einmündung der B 72 in die B 210 gelegenen Gewerbegebiet in Georgsheil vertreten. Das Einzugsgebiet Moordorfs geht weit über die Ortsgrenzen hinaus. Ein gewichtiger Anteil der Bevölkerung findet nach wie vor im Volkswagenwerk Emden Arbeit.
Bildung und Schulen
Im Schulzentrum Moordorf befinden sich die gemeinsame Haupt- und Realschule sowie die Förderschulen mit dem Bereich Lernen (Hinnerk-Haidjer-Schule) und Geistige Entwicklung (Astrid-Lindgren-Schule). Für die Grundschule wurde in den letzten Jahren ein neues Gebäude an der Ringstraße errichtet. Das ehemalige Grundschulgebäude an der Schultrift beherbergt seit Beginn des Schuljahres 2006/07 die Freie Waldorfschule Ostfriesland, die erste und bislang einzige ihrer Art in der Region.
Kirchen und Religionsgemeinschaften
Die Kirche in MoordorfDie ev.-luth. Kirchengemeinde wurde 1886 gegründet, davor war Moordorf Teil der Kirchengemeinde Victorbur. Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts begannen die Planungen für den Bau einer Kirche. Möglich wurde dies durch ein großzügiges Gnadengeschenkes des Kaisers in Höhe von 18.000 Mark. Damit waren fast die Hälfte der Baukosten abgedeckt.[4] Am 19. November 1893 wurde die Kirche geweiht. 1908 erhielt sie einen Glockenturm und zwei neue Glocken, von denen sich eine noch heute im Turm befindet. Die Orgel, die ursprünglich aus dem Jahre 1895 stammt, wurde 1976 von Grund auf renoviert. 1978 erfolgte eine grundlegende Renovierung der Kirche. Im Jahr 2005 wurde ihr der Name „Martin-Luther-Kirche“ verliehen. Sie hat zwei volle Pastorenstellen.

Friedhöfe gibt es jedoch erheblich länger. Bereits 1776 wurde der erste auf den Ländereien der neu eingerichteten Schule angelegt. 1895 wurde der Friedhof an der heutigen Kirche eröffnet. Bereits 1935 sollte er erweitert werden. Umgesetzt wurde dieses Vorhaben jedoch erst in den 1950er-Jahren.
Die Kirchengemeinde Moordorf hat heute mehr als 5.000 Mitglieder.
Sehenswürdigkeiten
Das Moormuseum Moordorf beschäftigt sich mit der Moorkolonisierung und zeigt die schwierige Entwicklungsgeschichte des Ortes auf. Auf der drei Hektar großen Freifläche stehen mehrere Kolonistenhütten und -häuser.
Quellen: www.wikepedia.de



















