Ausbildung? Och nööö...
„Ich wollte wohl eben meinen Ausbildungsplatz absagen…“
Wie bitte? Verdutzt halte ich den Telefonhörer in der Hand.
„Wie? Absagen?“
In wenigen Tagen ist der 01. August. Ausbildungsbeginn für 10 junge Menschen, die in einem zukunftsträchtigen Logistikberuf ausgebildet werden sollen. Nun meldet sich jemand, der bereits seit Anfang des Jahres weiß, dass er zum 01.08. einen der begehrten Ausbildungsplätze bekommen soll.
Immer noch fragend, den Hörer in der Hand haltend, erklärt mir der junge Mann: „das Arbeitsamt würde nicht mitspielen“. Er wäre gleich bei denen vorstellig geworden und habe um einen Zuschuss gebeten, da er mit der Ausbildungsbeihilfe allein nicht weit kommen würde. Er habe schließlich eine Wohnung, ein Auto und dann würde ja nicht viel über bleiben.
Alternativ hat sich der junge Mann einen Platz an einer Schule gesichert und macht sein Fachabitur nach. Auf meine Frage, wie er das dann finanzieren könnte, sagte er etwas verlegen:
„Ja, da bekomme ich ja 650,- € BAföG... - dann mach ich noch so´n kleinen Nebenjob – hier und da was ‚schwarz’ und dann passt das schon! … Sie verstehen mich doch oder? Da hab ich dann ja wesentlich mehr in der Tasche. Ich brauche nur ein Jahr statt drei Jahre lernen und bekomme auch noch mehr Geld…!“
Im ersten Moment habe ich mich natürlich etwas darüber geärgert, aber was soll’s? Deswegen entmutigen lassen? Niemals! Es gibt viele junge Talente, die es zu fördern gilt. Und wenn wir heute nicht ausbilden, fehlen uns morgen die Fachkräfte.
Für den jungen Mann hätte es anders laufen können. Trotzdem wünsche ich ihm, dass er später eine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommt.
Denn eines ist sicher: die Ernüchterung wird folgen – spätestens, wenn er merkt, dass die Förderung wesentlich geringer ausfällt und wenn er im Sommer 2010 wieder irgendwo bei irgendeinem Personalverantwortlichen in der Tür steht:
„Endschuldigung – eine Frage: … haben Sie wohl ´n Job für mich???"
Bernd Memenga