Was wiegt schwerer? Das Fehlverhalten der Bischöfin oder die verletzte Schweigepflicht der Staatsanwaltschaft?
Ganz Deutschland diskutiert in diesen Tagen über die "nächtliche Alkoholfahrt" von Margot Käßmann und ihren Rücktritt als Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche.
Viele Menschen haben große Hoffnungen mit ihr in diesem Amt verbunden. Ich auch. Die Art und Weise, in der sie dieses Amt ausfüllte, zeigte, wie sie mit den hohen Erwartungen der Menschen umgehen wollte: Menschlich eben!
Manche hat das irritiert. Viele aber haben dadurch die Kirche noch einmal ganz anders erlebt. Nicht von oben herab und selbstherrlich, sondern zweifelnd, verletzbar, selbstkritisch. Auch ihre Entscheidung zurückzutreten ist für mich ein Ausdruck dieser Haltung.
Es ist ein Rücktritt, den ich – wie viele, viele andere – zutiefst bedauere. Und wenn er sein musste, so stellt er auch die Frage an mich selbst: Wie gehe ich mit eigenen Fehlern um? Welche Konsequenzen ziehe ich aus dem Erschrecken über mich selbst?
Die Ereignisse der letzten Tage haben gezeigt, wie groß die Erwartungen an die Kirchen sind: Wer von der Kanzel moralische Maßstäbe verkündet, an dessen Lebensführung sollten diese Maßstäbe auch ablesbar sein. Wenigstens Bischöfinnen und Pastoren, Prädikanten und Kirchenvorsteher müssten doch vorbildlich leben, dürften sich nichts zuschulden kommen lassen.
Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Auch wir sind oftmals nur mittelmäßige Ehepartner, fehlbare Mütter oder Väter, verletzbare und manchmal sogar verletzende Menschen.
Wer Christ oder Christin ist, ganz egal ob als Pastor oder Kirchenvorstand oder in irgendeinem anderen Beruf, ist deshalb kein besserer Mensch. Man mag einen anderen Anspruch haben an sich selbst; ja man sollte sich mühen; aber ein besserer Mensch ist man nicht.
Der christliche Glaube – und daran erinnern wir uns in der Passionszeit – fordert von uns kein perfektes Leben. Nur dass wir ehrlich sind mit unsern Fehlern und umkehren – das in der Tat – wird erwartet. So ist Margot Käßmann gerade in ihrer Niederlage zum Vorbild geworden. Darum Hut ab und Danke Frau Dr. Käßmann für alles, was Sie unserer Kirche Gutes getan haben.



















